Lichtungen 160

Fleischwade. Drama.

Gindlstrasser Theresa Luise

 

 

 

 

 

Mutter
die älteste (Tochter)
die mittelste (Tochter)
Kindeskinder (so viele Enkelkinder)
die kleinste (Tochter)
Doktorin Sommer
König (eine leise Rolle)

/// bedeutet chorisch gesprochen
– bedeutet abwechselnd gesprochen

Mutter und die älteste und die mittelste und Kindeskinder und die kleinste und König sitzen rund um einen recht üppigen Mittagstisch.

Kindeskinder
Wir erzählen euch das Märchen vom kleinen Prinzen der gegen einen Baum gefahren ist. Mit einem Auto. In der Nacht. Der kleine Prinz hatte einen Papa, das war der König, und der kleine Prinz hatte eine Mama, das war die Frau König. König und Frau König hatten drei Kinder. Außer dem kleinen Prinzen gab es da noch die beiden Prinzessinnen, die waren aber viel weniger majestätisch, die stellten aber ihre Hausschuhe nie so ordentlich ans Bett vor dem Schlafengehen, die waren aber nicht dazu erschaffen worden um eines Tages die Regierungsgeschäfte zu übernehmen. Und eines Abends verabschiedete sich der kleine Prinz von der Frau König und setzte ihr einen Kuss auf die Wange. So lieb war der kleine Prinz. So lieb. Und er fuhr mit seinem moosgrünen Ford aus der Einfahrt fort. König und Frau König winkten ihrem Sohn hinterher. Lange. Lange. Lange. Da lenkte der kleine Prinz seinen Wagen auf der Landstraße und landete Hals über Genickbruch in einem Baum. Da war der kleine Prinz tot und König und Frau König weinten und die Prinzessinnen weinten und das ganze Königreich weinte und das Weinen weinte und die Leute im Königreich sagten: Dies ist das Märchen vom kleinen Prinzen der gegen einen Baum gefahren ist und so kam das Loch in die Welt.

Mutter
So kam das Loch in die Welt.

die mittelste
Bravo!

die älteste
So schön habt ihr das Märchen erzählt.

Mutter
So schön!

die älteste
Aber als das Loch in die Welt gekommen war, da wart ihr noch lange nicht auf der Welt. Noch so lange nicht. So lange musste die Frau König warten, dass eine von den beiden Prinzessinnen

die mittelste
Ich!

die älteste
dass die jüngere von den beiden Prinzessinnen die ehrenvolle Arbeit der Reproduktion übernommen hätte und dass die Frau König eine Oma geworden ist. Gell Mutter, in Anbetracht der Kindeskinder bist du gerne eine Oma geworden, gell?

Mutter
Ihr habt das Märchen vom kleinen Prinzen der gegen einen Baum gefahren ist, mit einem Auto, in der Nacht, das habt ihr gut erzählt. Gebt eurer ältesten Tante einen Kuss, die hat euch lieb, ihr müsst auch zu eurer ältesten Tante ein wenig lieb sein zurück.

die mittelste
Meine Kinder und ich, wir bereiten uns auf die Übernahme der Regierungsgeschäfte vor, gell Mutter gell, Mutter Mutter gell! Gell?

Mutter
Im ganzen Königreich gibt es niemanden der seine Hausschuhe so ordentlich ans Bett stellt vor dem Schlafengehen. Das ist die Moral von der Geschicht.

die kleinste
Ich erzähle euch jetzt das Märchen vom kleinsten Engel der aus Zitronen, Melonen und Todesfällen Limonade macht. Nachdem das Märchen vom kleinen Prinzen der gegen einen Baum gefahren ist zu Ende gegangen war und das Loch in die Welt gekommen war, rührte Abraham in seinem Suppentopf und murrte. Da sind die Kinder, vorher, bevor die auf die Welt bekommen, sind die im Suppentopf vom Abraham.

Kindeskinder
Ich esse diese Suppe nicht, diese Suppe ess ich nicht.

Mutter und die älteste und die mittelste lachen.

Kindeskinder
Ich esse diese Suppe nicht, diese Suppe ess ich nicht.

Mutter und die älteste und die mittelste lachen.

Kindeskinder
Ich esse diese Suppe nicht, diese Suppe ess ich nicht.

Mutter
Alles was eingebrockt wurde, muss ausgefressen werden. Als noch Krieg war im Königreich haben sich die Leute für die Suppen erschlagen.

die kleinste
Ich erzähle euch noch immer das Märchen vom kleinsten Engel der aus Zitronen, Melonen und Todesfällen Limonade macht. Der kleinste Engel hüpfte aus dem Suppentopf vom Abraham, da war der kleine Prinz gerade gegen einen Baum gefahren, da waren gerade drei Monate vergangen, da hüpfte der kleinste Engel aus dem Suppentopf und schlüpfte, durch das vaginale Loch, der Frau König in die Gebärmutter hinein. Die beiden Prinzessinnen wussten davon nichts und verließen die königliche Residenz um in einer Hauptstadt zu studieren. Die ältere der beiden inskribierte sich für Theaterwissenschaft und legte in ihrer WG einen Orchideengarten an. Die jüngere der beiden belegte Architektur und fand schnell Anschluss an die schnelllebige Hauptstadt. Aber in der Gebärmutter der Frau König plusterte sich der kleinste Engel und wurde zum Embryo. Da kam es wie es kommen sollte und auf den Tag genau ein Jahr nachdem der kleine Prinz gegen einen Baum gefahren war, quetschte die Frau König einen nassen Engel aus ihrem Geburtskanal heraus. Da jubelten König und Frau König und jubelten die Prinzessinnen, die auf Besuch in der königlichen Residenz vorbei schauten, und da jubelte das Königreich und Jubel Jubel und da sagten die Leute im Königreich: Das ist das Märchen vom kleinsten Engel der aus Zitronen, Melonen und Todesfällen Limonade macht und so kam das Loch wieder weg aus der Welt. Und der kleinste Engel wurde in das Gemach des kleinen Prinzen hinein gestopft und der kleinste Engel saß am Schreibtisch im ehemaligen Gemach des kleinen Prinzen und wollte ein Drehbuch schreiben, ein Drehbuch für einen Film, der kleinste Engel macht aus Zitronen, Melonen und Todesfällen leckere Limonade und leckere DIY-Videos, und da fragte der kleinste Engel die Frau König: Darf ich die Bücher vom kleinen Prinzen ein wenig zur Seite räumen damit ich ein Drehbuch schreiben kann?

///Ist wenn Loch, hat immer Saum, da Achtung ein Baum, ist wenn Loch, hat Ränder, Rahmen, das kennen Sie vom Stopfen, vom Socken, ist fransig, die Fransen am Bettüberzug, die Notizen an der Pinnwand, eine Nachttischlampe hat so geriffeltes Glas, da steht ein Souvenir, da war wer in einer Hauptstadt, da hat jemand die Hausschuhe, hängen die Hosen, eine Briefmarkensammlung. Wir belassen die Kleidungsstücke im Kasten. Die Tagebucheinträge, die Bücher, ein Stift, ein Liebesbrief, ein Liebeskind gewesen, gewesen, verwesen unter Stiefmütterchen, was das alles kleiner Prinz gehabt, das ist ein Museum, Mausoleum, liegen die Dinge, steht das Zimmer, das ist ein Bild, ein Rahmen, ein Loch. Diese Soll-Sein-Stelle, sollt sich jemand Bettchen liegen, ist alles so voll, ist alles so leer, und in dieses Loch
-ins voll gerahmte leere Loch
///Da hat sich, brandnew, ein neuester Mensch hinein gemogelt! Weil so ein Loch, das zieht, das stört, das hat doch die ganze Natur eine Abneigung gegen die Leere, ist ein Sohn-Loch, ein Zimmer, ein Platz, kommt ein Loch-Mensch hinein, ins Bettchen zu liegen, die Hosen zu tragen, ein ungelesenes Buch ist ein immer trauriges Buch, ein ungetragener Ski-Anzug vermodert der da nur im Eck, ist der Loch-Mensch ist das Mensch-Loch, befüllt zwar das Loch, lebt in ein und demselben unveränderten Zimmer-Loch, markiert doch das Loch, schreit und bleibt immerzu, Loch!, hat sich hineingesetzt, haben sie hineingesetzt, hallo Mensch, hallo Loch-Mensch du, ist ein halb so, naja, Mensch geworden du Loch.

die kleinste
Hallo!

///Hallo.

die kleinste
Hallo.

///Hallo.

die kleinste
Hallo.

///Hallo.

die kleinste
Hallo aber das ist doch jetzt mein Zimmer.

Kindeskinder
Hallo aber das ist doch jetzt lange schon unser Zimmer.

die mittelste
Hallo aber das ist jetzt doch schon lange das Zimmer von den Kindeskindern. Und außerdem hallo bist du jetzt doch schon lange in eine Hauptstadt gezogen.

die älteste
Ich hatte nie ein so schönes Zimmer. Hallo.

Mutter
Hallo da schlafen doch jetzt die Kindeskinder wenn die ihre Oma besuchen.

die kleinste
Hallo aber

///Schokoladeneis, Strudel. Zigaretten, Kaffee. Schweinebraten, Knödel, warmer Krautsalat mit Speck. Dann MDMA, Whiskey, Lachgas und Pferdeberuhigungsmittel, somit LSD, Weißwein und Schnee. Hände, Schwänze, Lippen, Schläge, eine Zigarette, noch eine Zigarette. Eine Zigarette mit Kaffee, gesalzene Nüsse am Vormittag vor dem TV.
-Kosten?
-sehr gerne!
-sehr fein!
-magst du den Powidl nicht?
-nee!
-aber lass mir von dem Butter!
-über?
-ja!
-sehr fein!, aber:
///Dieser Mensch ist ein Loch.

die kleinste
Aber das wäre doch mein Zimmer gewesen. Das müsste meines! Meines! Meines! Meins! MEINS! MEINS! MEINS! MEINS! MEINS!

Kindeskinder
Eine Frage zwischendurch: Fahren Menschen in der Nacht gegen Bäume weil eine Familie irgendwie ist oder ist eine Familie irgendwie weil jemand gegen einen Baum gefahren in der Nacht.

Doktorin Sommer lacht.
Doktorin Sommer lacht nochmal.
Und noch einmal.

Doktorin Sommer
Jaja. Vorstellen, sich vorzustellen zu könnten, eine Familienaufstellung, ich stelle mich vor: Doktorin Sommer. Stellen Sie sich vor: Sie stellen sich, anstelle von Sitzen, Sie stellen sich, wir machen jetzt ein bißchen eine Familienaufstellung, eine gemeinschaftliche Übung zur Vorstellungskraft, Doktorin Sommer mein Name. Wir gehen, spüren Fußboden, Bühnenboden, wir verteilen uns ganz neu im Raum, ganz neu, wir bewegen, was zwickt, wo gut, wir verteilen uns ganz neu im Raum, ist da irgendwo eine Position vielleicht? Ganz neu, eine Position zu finden, finden Sie eine ganz neue Position, wir machen jetzt eine bißchen eine Familienaufstellung, wir kräftigen die Vorstellung der Situation. Wir stellen uns vor, wir stellen uns in die Position hinein, eine ganz neue Situation, ist dieser Platz, dieser Platz da, ist das mein vorgestellter, mein für mich hin, mein mich darstellend, ist das da mein Platz vielleicht?

Mutter
Das ist etwas Relationales. Eine Mutter. Ich bin eine Mutter. Ich hatte eine Mutter. Meine Mutter hatte eine Tochter. Diese Tochter ging baden. Das Bad war so voll. Der Bach war so kalt. Und das Kind so sehr klein. Füllt das Bad dann die Tochter. Das ist etwas Relationales. Eine Verkehrung der Material-Verhältnisse. War das Bad in der Tochter, die Tochter ganz bleich. Meine Mutter hat die Tochter aus dem Bad heraus. Das ist etwas Relationales. Die Tochter hat das Wasser aus der Lunge nicht und keine Luft hinein. Meine Mutter hatte eine Tochter. Meine Mutter hatte eine Tochter gehabt. Meine Mutter hat noch eine Tochter gebärmuttert. Meine Mutter hat eine noch eine Tochter, und die bin ich. Ich bin auch eine Mutter. Ich hätte eine Schwester. Wo Schwester war, da lebe ich. Wo ich lebe, da hat die Schwester sich im Bad verfüllt. Ich bin keine Schwester, ich bin die Schwester. Ich bin eine Mutter. Das ist etwas Relationales. Wenn du die Fäden an den Fersen von den Socken übereinander mitsammen verknoten tust hab ich denen meinen Kindern eine Lebensgrundlage, nein, schlechthin ein Leben und die Nasen geputzt, für mich als Mutter macht dir die Wiederholung der Geschichte keine Angst, keine Angst vor der Wiederholung der Geschichte, so ein Loch, das zieht, das drückt, wenn du am kalten Fußboden nur halb und halb die Socke, wenn du jemanden erziehen willst, wenn du ein Loch stopfen willst, wenn du gebärmutterst. Das ist etwas Relationales. Wenn eines fehlt, dann rücken die andren zusammen. Oder stellen was Neues dazu.

Doktorin Sommer
Aha. Sie haben eine Position eingenommen. Beschreiben Sie die Situation?

Mutter
Gegenüber vom Fenster, über dem Fenster ein Vorhang, gegenüber ein Tisch. Aus Holz, ist finster, harmoniert mit den Stühlen, stehen alle, an Ort und Stelle. Eine Sicherheitsmatte, es ist wegen dem Holz, einseitig Plastik, anderseitig Fließ. Da wo Familien essen, wo Individuen lesen, auf der Holztischplatte, auf der Sicherheitsmatte, zunächst eine reinweiße, dann eine schönweiße, letztlich verquer, zum letztendlichen Dekor, eine Decke mit Spitze, die feingewebt an Seidenrändern, deckt alles fest zu. Hat im Leinengewebe, schönweiß auf reinweiß, Arabesken gebogen, steht auf dem Dekor, auf dem Tisch eine Vase, in der Vase die Blume, ist symmetrisch, ist harmonisch, zum Gobelin. Zur Schauseite vis-a-vis, über dem Fenster der Vorhang, der Vorhang eine Klöppelspitze, da und dort eine Lochspitze, an den Enden das Plissee. Wirft sich alles in Falten, die Figur, der Farbübergang, dann bedeckt der Vorhang das Fenster, das Schauseiten-Glas zu. Die Teppiche in Handarbeit, kleiner, je feiner die Knoten, je dichter das Haar, umso bedeckter die Verführung, gibt die Ausstattung sich keine Blöße, die bloße Gefahr.

Doktorin Sommer
Aha. Sie haben uns ein Setting erzählt. Was ist das für ein Platz?

Mutter
So ein Todesfall, das bedeutet den Totalausfall, von denen allen Menschen rundherum, umsomehr, medizinisch also Wunder, ich Mutter, ich wider die Wahrscheinlichkeit, plopp, plopp, da der Bauch sich zur Kugel, ploppt, ploppt, die Kugel schaurig offenes Loch hinein, knuschel, knirschel, die Strumpfhose in einem Umstand gesprengt, also dass wir da aber noch so eine Liebe in den Geschlechtsteilen lagernd haben, so plopp, es knirscht, wird gestopft, wird genäht, es gibt so und so viele Wiederverwertungs-Varianten, als Mutter, im Krankenhaus-Bett, hat sich die Gebärmutter mit Abraham-Suppe überschwemmt, ein Wunder, stürzt unten das Fruchtwasser, fließt bei den Augen eine Wunde aus mir heraus. Das ist ein unanständiges Gefühl.

Doktorin Sommer
Aha. Sie haben die Rolle der Mutter eingenommen, wie geht es Ihnen jetzt damit?

Mutter
Wieso Rolle?

Doktorin Sommer
Rolle!

///Rolle.

Mutter
Wieso Rolle?

Doktorin Sommer
Rolle!

///Rolle.

Kindeskinder
Wieso Mutter?

///Rolle.

Kindeskinder
Das ist unsere Oma.

///Rolle.

Mutter
Wieso Rolle?

Doktorin Sommer
Rolle!
///Rolle.

Kindeskinder
Das ist unsere Oma!

Mutter
Ich habe eine Gebärmutter.

Kindeskinder
Oma! Das ist doch unsere Oma.

Mutter
Wieso Rolle?

Doktorin Sommer
Rolle!

///Rolle.

Kinderkinder
Oma!

///Rolle.

Doktorin Sommer
Rolle!

///Rolle.

Doktorin Sommer
Rolle!

///Rolle.

Mutter
Der Vati nimmt die Äpfel vom Baum und zerhackt die Früchte in kleinere Teile. Es ist Herbst. Meine Hände im Teig. Zimt, Zucker, Rahm, Nüsse, die Wahlnüsse vom anderen Baum. Die Schädlinge. Die Vögel erschlage ich mit Steinen. Die Katzen jage ich mit Schimpf und Schande. Das sind meine Bäume. Das sind unsere Nahrungsmittel. Strecken die Würmer ihre Köpfe aus dem Apfel. Hack, hackt der Vati die Früchte in kleinere Teile. Meine Hände im Teig. Es ist Zeit den Ofen zu erwärmen. Ei, klar, Eiklar, der Vati zerbröselt die Früchte über dem Teig. Meine Schürze berührt seine Waden. Gerade rechtzeitig das Tor zu dem Rohr verschlossen. Unsere Nasenflügeln zucken, wir naschen Rosinen. Was? Wie? Ein Schnitzerl! Aha. Ein Schnitzerl! Da schauts mir her ihr, Nachverfahrenen Kindeskinder, jetzt braten wir gemeinsam das Fleisch. Klopfst es, wendest es, weichst es, Salz und Pfeffer, Mehl, Ei, Brösel, lässt in der Gußeisernen das Butterschmalz, so sparsam Butterschmalz, Mama?, von meiner Mutter gelernt, so sparsam das Mutterschmalz, das Fleisch nicht ertränken, Mama?, dann trotzdem ganz goldene, Gold-Fleisch-Barren die zischen beim Schneiden, da schauts mir her ihr Generationenwechsel, Mama?, wenn brutzelt und brutzelt und brutzelt und die Gußeiserne mit dem Butterschmalz vom Herd, aber nicht ertränken das Fleisch mit dem Mutterschmalz und dazu einen Salat, geh grab mir einen Salat aus dem Garten, und dem Opa, dem schmeckt es ja auch.

///Die Parabel von den roten Rüben, die Parabel von den roten Rüben geht so: Ein Gärtnerjunge wollte die roten Rüben nicht graben, ein Gärtnerjunge wollte das Graben der roten Rüben auf die Familienmitglieder der Gärtnerfamilie verteilen, der Gärtnerjunge wollte gemeinsam graben. Aber! Aber da hatte der Gärtnerjunge seine Gedanken ohne die Gärtnerfamilie gemacht und der Gärtnerjunge wurde in eine Ecke zwischen Herd und Spülbecken gestellt und standungerechtlich erschossen. Da nahmen die Familienmitglieder der Gärtnerfamilie alle Spielkarten aus dem gesamten Gärtnerfamilien-Haus zur Hand und versteckten die Leiche vom Gärtnerjungen unter einem Berg von Karten. Weil aber die Gärtnerfamilie immer nur geschmackvolle Einrichtungsgegenstände um sich haben wollte, und weil aber die Gärtnerfamilie sich in Sachen postkolonialer Diskurse nicht recht auf der Höhe der Zeit bewegte, bestand die Gärtnerfamilie auf der Einheitlichkeit der Spielkarten unter denen der Gärtnerjunge begraben werden sollte. Und so kam es, dass im Gärtnerfamilienhaus bis zum heutigen Tage, zwischen Herd und Spülbecken, dort etwas im Weg steht, es ist ein Haufen schwarzer Peter.

Doktorin Sommer
Oh! Oh la la! Bisherige medizinische Karriere, ich habe noch nie mit einem Chor zusammen gearbeitet. Sie haben also die Rolle des Chores eingenommen?

König fängt an zu schlendern. Alle Blicke auf König. Er verbeugt sich vor dem Ohr der Doktorin Sommer. Und flüstert ihr intim ins Ohr: „Sehr geehrte Doktorin Sommer! Haben Sie einen heftigen Dank, dass Sie sich der Familienaufstellung dieser Familie annehmen. Ich persönlich werde an der Vorstellung selbstverständlich nicht teilnehmen. Nachdem der kleine Prinz gegen einen Baum gefahren war, habe ich mich aus der Öffentlichkeit zurück gezogen. Sie verstehen was ich meine“. Und beeilt sich Doktorin Sommer mit Zustimmung. Und gibt König weiter mehr leise zu verstehen: „Diese Familie ist eine Familie ist eine Familie und das Familiäre verpflichtet. Tausend Goldmünzen für ihre Heilkunst, sonst schlag ich den Kopf in der Küche ab. Den Ihren. Ihren Kopf meine ich“. Das verständnisvolle Nicken der Doktorin Sommer unterbricht König mit eleganter Handgelenksgeste und führt aus: „dass Ihre Spesen selbstverständlich übernommen werden, wir servieren hier einen exquisiten Espresso und was den Chor angeht“ – alle Blicke auf alle – „diese Familie ist eine Familie ist eine Familie ist immer schon mehr als eine Familie als diese Familie und bitte nehmen Sie vom Apfelstrudel, von den Äpfeln, von draußen, vom Baum und jede königliche Residenz hat ein paar königliche-Residenz-Geister, von Geisterhand und mit Heilkunst erwarte ich mir die zu königlichen Repräsentationsaufgaben erschaffenen Familienbande“. Doktorin Sommer streicht König über die Wange. Dort ist es nass. Er schlägt seine Faust in ihren Bauch und nimmt wieder Platz nah am Tisch.

///Das ist eine Familienaufstellung.
-was?
-ein Echo
-was ist das?
-Bei einer Familienaufstellung vernehmen wir ein Echo.
-von?
-nein
-einfach nur Echo
///Echo
-echo
-echo
-Bei einer Familienaufstellung vernehmen wir die Geschichten der Vergangenheit und Zukunft.
-unft
-unft
-zur Vernunft
-das wird schon wieder
-gefunden?
-ein Echo!
-Ich habe da ein Echo gefunden.
-zeig her
-bezeuge
-gab es Zeugen?
-erzeugen sich die Geschichten selbst
-was?
///Das ist eine Familienaufstellung.
-tatsächlich müssen wir davon ausgehen dass die Herstellung des Tathergangs sich dieser Aufstellungsweise verschuldet
-was?
-es ist ein Echo
-es fängt nirgendwo an
///Das ist eine Familienaufstellung.
-das ist etwas systemisches
-was ist denn das?
-Das ist ein Loch.
-nein
-doch
-nein
-doch
-Loch
-Loch
-stellt sich dahin und sagt:
-koch!
-mir einen Kaiserschmarren
-mir einen Germknödel
-und ich tät den Tafelspitz
///bittedanke und tschüß
-Das Sättigungsgefühl!
-Das völlige Fehlen des Sättigungsgefühls.
-was ist denn das?
-Das ist ein Loch.
-Geh bitte!
-Das ist doch eine Kugel.
-zu wenig gefüttert
-zu viel verhungert
-zu wenig gefüttert
-zu viel von dem Hunger
///Das ist eine Familienaufstellung.
-das ist eine Anleitung zum Ausmisten eines Kinderherzens
-was?
-rote Rüben am Begräbnismorgen
-was?
-andere Leute schreiben Tagebuch
-auch Videotagebücher sind ein künstlerisches Ausdrucksmittel
-was?
-wer zwischen sich und die Welt eine Kamera
-durch ein Objektiv eine Perspektive zu verändern
-wo haben Sie?
-haben Sie?
-das Objektiv
-beim Autounfall
-im Kofferraum
-kaputt gegangen?
///Das ist eine Familienaufstellung.
-Achtung Aufnahme!
-Aufstellung!
-Platz!
-wow
-Platz!
-du geh auf deinen Platz!
-wow
-eine unversorgte Seelenwunde kostet dem Staat
-gesamtgesellschaftlich!
-ach so, gesamtgesellschaftlich
-du geh auf deinen Platz!
-lauter Zeitbomben
-tick
-tack
-tick
-tack
-es muttert
-gebärmuttert
-es muttert
-gebärmuttert
-schnell das Loch zu
-zum Platz!
-wow
-Platz!
-tack
-tick
-tack
-tick
-eine Zeit
///Bombe
-ombe
-ombe
-tack
-tick
-tack
-tick
-tack
-tick
-die hat nen
-au
///Au!
-au
///Au!
-das wird schon wieder das wird schon wieder das wird schon wieder das wird das wird das wird schon wieder schon wieder
-schon wieder
-die Laufmasche zum Loch gebohrt
///Das ist eine Familienaufstellung.
-haben Sie eine Strumpfhose zum Wechseln mitgebracht?
-haben Sie?
-haben Sie?
-Nein. Leider.

Doktorin Sommer
Es war einmal ein kleines Mädchen. Das kleine Mädchen trug ein kleines weißes Kleid und pflückte Sonnenblumen in ein bereitgestelltes Körbchen hinein. Aber, das kleine Mädchen war ein unsichtbares kleines Mädchen. Da hüpfte das kleine Mädchen auf die Schultern des schwerarbeitenden Vaters hinauf und da schaute der schwerarbeitende Vater durch das kleine Mädchen hindurch. Gell Vati, Vati Vati gell. Gell! Aber das kleine Mädchen war leider ein unsichtbares kleines Mädchen. Und so kam es, dass die Mutter des kleinen unsichtbaren Mädchens das kleine Mädchen im kleinen weißen Kleidchen beständig verwechselte. Der Mama war das alles sehr durchschaubar und überall dort, wo das kleine unsichtbare Mädchen herumgehüpft wäre, dort vernahm die Mama das Spiegelbild von ihrer selbst. Ein paar Jahre später ging das kleine unsichtbare Mädchen mit dem prall gefüllten, Sonnenblumen gepflückten Körbchen, und machte eine Familienaufstellung. Aber leider war das kleine Mädchen so durchsichtig und deswegen es wieder nach Hause zurück.

///Also: Kinder erzeugen, Erzeugnis nach Zukunft, RiRaReproduktion, es stehen die Stammbäume, rum. Arumpeldibumpel fällt fällt, erntet Abraham Früchte, was für ne eklige Brühe, kommt aus dem Fehlenden womöglich was Falsches noch nach, es ist eine Geschichte unter anderen, überall auf der ganzen, auf der weiten, auf der sogenannten Welt, der Vater hatte einen Herzinfarkt, die Tante den Krebs, der Freund wurde vom Klienten erstochen, der Lehrer von einem Bruder vergiftet, der Großvater von einer Bombe zersprungen, die Bekannte im Hochaus verbrannt, ertrunken, ertrunken, ertrunken, ertrunken, ertrunken, ertrunken, ertrunken, ertrunken, ertrunken, ertrunken, ertrunken, ertrunken, was?, du weinst, arbeitsrechtlich besehen hast du dafür drei Tage Zeit, zack zack, Mensch Masse, Bio-Masse, Müll.
-Müll?
///Ein menschlicher Organismus, ei!, ist zauberhaftes Zauberwerk. Wenn dieser Loch-Mensch laufen lernt, der krabbelt und fällt und stößt und lacht und der Loch-Mensch, und wie der so denkt: Ei! Aha! Da wo ich so krabbeln tu, wo ich aus dem Loch heraus, das ist eine Gehschule, das ein Geländer, ein Saum. Da sollen mich die Umgebungsangelegenheiten also immer wieder zurück in das Loch, aha, aua, bin ich zu werden ein Schnecken-Getier, meine eigene Känguru-Tasche, ich soll in das Loch zurück, das sagen sie mir. Das deuten sie mir. Und wedeln und winken und stoßen und drücken, und so ein menschlicher Organismus, ei!, das ist ein Loch, ist mein Loch, eine Kante, ein Rahmen, Rest, Schuld, Loch, Genital, Durchfall, irgendwo irgendwann ich durchgefallen.

Doktorin Sommer lacht.
Doktorin Sommer lacht nochmal.
Und noch einmal.

Doktorin Sommer
Jaja. Wir machen hier ein bißchen eine Familienaufstellung. Alles ganz neu. Wir vernehmen das Echo von vielen Vergangenheit. Wir sind hier auf der Suche. Das da ist der Fisch, wo vom Kopf her so stinkt, das da ist der Ursprung, das Ur-Loch, das Urtrauma, das Urvertrauen, das muss es sein! Also!

die älteste
Mit den Augenlidern über die Augen drüber, ich hebe meine gewellten Handgelenke vor mich hin. Ein Füßlein, zwei Füßlein, hier steht immer schon sein Bett. Ich rieche, ich taste, die Tagesdecke, auch so ein gewelltes Gewebe, hinter den Augenlidern die Augen und ich schau meine Erinnerungs an. Da steht ein achtjähriger Bruder mit mir siebenjähriger Schwester vor der Wand mit dem Buch. Wir heben ein Gänseblümchen zwischen die Seiten, wir setzen uns drauf, ich auf das Buch und der Bruder auf mich. Sowas Schönes konservieren, das was daran saftig ist verlieren. Ein Füßlein, zwei Füßlein, stellt der Bruder die Hausschuhe hin. Geht ein zehnjähriger als Ministrant zum Pfarrer, ist eine neunjährige nur ein Mädchen und immerhin erstkommuniert. Kommt der Bruder nach Hause und schlägt sich das Knie in den Asphalt. Leckt die Schwester darüber und gehen in der Disko ein 16-jähriger mit seiner 15-jährigen Schwester, dass hinter dem Dorf, dass hinter der Tagesdecke, womöglich ein Au-Pair-Aufenthalt, womöglich ein Informatik-Studium, kleine Schwester will Schauspielerin werden, der Bruder nickt, essen Schokolade Umarmung am Bett. Fliegt aus der Umarmung, so fest, dabei doch immer so fest, fliegt das Auto, der Bruder, fliegt der Bruder mit Umweg, Baum Fahrzeug ins Leichenschauhaus, fliegt die Schwester ins Bett. Krampft die Schwester die Fäuste, haut drauf auf die Vasen, haut runter die Bücher, schlägt den Vater zu Boden, die Mutter zum Teppich, den diebischen Embryo zwischen die Seiten, das Buch ganz fest zu, die hinterhältige Gebärmutter pressen, zwischen den Seiten den Säugling, mich auf den Schraubstock und niemand auf mich drauf.

die mittelste
Der kleine Prinz und die älteste Schwester und ich, ich habe nie gelernt meine Hausschuhe so ordentlich ans Bett zu stellen vor dem Schlafengehen, das ist ein Status, die kleinste, das ist keine bloße, keine zufällige Position, das ist ein Status, verbunden mit Hühnerbeinen, Brotkrusten, Forellenwangen. Dürfen tanzen gehen, dürfen reisen reden, darf ich auf jeden Fall Naturwissenschaft, Materialfortschritt, um zu montieren in der Küche einen Küchengerätschaftsspüler, gegen die Sparsamkeit, gegen den Stillstand, ich erinnere mich: Heimlich dem Bruder die Lateinaufgabe lösen, kichern wenn die Schwester kotzt, die Tanzstunde schwänzen, nachher die Rüschen verstecken, die Haare toupieren, Auto-Stoppen, dem Bruder ein Fernrohr schenken, in unserer Straße bin ich das einzige Mädchen mit einer berufstätigen Mutter, ich bin wortkarg, ich bin modern gekleidet, ich zeige meinem Vater die Klöppelspitze, mein Bruder fährt mich mit dem Auto zum Zug. Ich trinke Bier, ich puste dem Vati einen Schaum ins Gesicht, ich halte meine heiße Wange, niemals werde ich meine Hausschuhe so ordentlich ans Bett, niemals! Ich trinke einen Fernet, einen Whiskey, einen Palinka. Ich verziehe mich in eine Hauptstadt und winke nur langsam mehr zurück.

die älteste
Nicht ich, du, ihr, ihr alle seid irgendwie, irgendwie ist diese Ordnung überhaupt nicht in Ordnung, das ist zu eng, das ist zu weit, weiter, weiter, Kilometer und Distanzen, im Krankenhaus, auf Kur, zwischen mich älteste Erwartungshaltungen, das halte ich nicht aus, ich halte auch nichts ein, ich halte einen Sicherheitsabstand, nicht ich, du, ihr, ihr alle habt eine irgendwie, eine Situation, eine Problemation, eine Komplikation, mich einliefern lassen, mich sicher nicht euch ausliefern gelassen, belief it, or not, ich, nicht du, nicht ihr, niemand von euch, hat auch nur irgendwie eine nachvollziehbare Reaktion auf die Tatsachen entwickelt, das ist ein Abwehrmechanismus, das ist eine Notfall-Strategie, sich um die Worte zu scheren, mit den Worten zu stechen, sticht Löcher in Schauseiten, nämlich die älteste ich, ich habe einen Zustand entwickelt, als einzige habe ich einen Zustand entwickelt von dem aus sich die Ordnung erklärt, ich kümmere mich nicht, um niemand und schon gar nicht um mich. Wow. Aber Entschuldigung wow, dein Körperbau ist so süß. Oke wow. Einen Hund will ich haben. Dieser Hund muss es sein. Also wow. Der Westhighland-Terrier schleckt andächtig über mein Knie. So ein Hundekot, der hält halt auch warm.

die mittelste
Eine Familie ist eine Familie ist meine Familie. Ich habe eine eigene Familie. Das Familiäre verpflichtet. Es gibt verpflichtende Feiertage, oke, ich trinke einen Fernet, im Sommer an das Wasser mit Bier, währenddessen beim Skiurlaub schwirren mir die Glühweine im Gehirn. Wahrscheinlich sind die Ski-Schuhe zu klein. 30 Prozent vom Kaufpreis, wenn du deine alten lässt, oder borgen, acht Euro, oder neun. Ich spreche da jetzt nicht über irgendwelche gesellschaftlichen Zusammenhänge, aber es gibt einen Fortschritt, in der Materialforschung. Du brauchst Schienbein-Schoner. Meine Kinder brauchen einen Helm. Mit Außen an den harten Schalen auch Tageslicht-Reflektoren. Beim Ski-Fahren möglichst Neon-Farbe. Sich abzuheben vom Schnee. Nicht verloren gehen. Die Pistenraupe durch die Schneebrille sehen. Sich vor der Pistenraupe sehen lassen können. Sich unterscheiden vom Hintergrund. Sich nicht nur zur Sicherheit unterscheiden vom Hinterrgund. Das ist kein Status, das ist eine Lebenseinstellung. Ich ziehe meinen Kindern Wirbelsäulen-Schutzwesten an. Mit meiner Maniküre, ich mache eine Mediations-Ausbildung, ich lese, ich arbeite, ich baue Türme, wir schauen über die Landschaft, meine Kinder brauchen Thermo-Fließ, Schafswolle, Bio-Käse, Stockbett, Steckerlfisch beim Urlaub am Wasser, ich habe wieder einmal einen Turm gebaut und winken der Familie von oben. Eine Familie ist eine Familie und meine Familie wohnt in einem Turm, ein viel höheres Geländer am Balkon, meine Familie braucht mehr Platz, wir dehnen den Turm, wir brauchen drei Terrassen, wir brauchen ein Snowboard, wir brauchen einen Snowboardkurs, ich trinke einen Whiskey, wir brauchen neue Sicherheitsvorschriften, ich muss mich von dem Hintergrund abheben, ich stehe am Turm und kippe das Glas.

die älteste
Die Welt will mir zu Leide, zu Leibe, lege ich, Schicht um Schicht, Rolle um Rolle, so rundherum, die Fettmasse um meinen Körper herum. Ich bin unsichtbar. Mach deine Augen auf. Mach deine Augen zu. Ich bin auf allen Schulterblättern, Achillesfersen, Bauchdecken, ich bin überall da wo die Menschen Gliedermaßen, bin ich unverwundbar, unberührbar. Ich wasche meine Haare nicht. Ich lebe mit meinem Hund in einer Hunde-Höhle. Ich stecke mir kleine Objekte in den Hals. Teure kiloweise Nahrungsmittel aus mir heraus. Ich packe mich ein, ich spucke mich aus, ich packe mich ein, ich spucke mich aus. Die Welt wollte mir zu Leide, meine Liebe, da lagere ich ein Kilo, ein Kilo mit Geruch dazwischen. Ich bin unkontrollierbar. Ich bin gefährlich. Ich sage zu mir selber Sie. Sie, Madame, Sie tanzen so schön, skandalös, mischen die Tabletten auf Tableau, darf ich Sie heiraten, unbedingt heiraten, darauf einen Eierlikör, eine Familie, fünf Kinder, mindestens fünf, nur ein Mädchen, schönstes Mädchen in der Disko, welche Stadt bereisen Sie heute, wie heißt deine Straße, du tropfst Innereien-Flüssigkeit auf den Boden, deine Pillen kullerten, Madame, Monsieur, ich bin so viele, viele kleine Abenteuer, jemand im Hundekot gerutscht, so eine Scheiße, so eine Scheiße, leck mich, das geht alles in Rauch auf, ein Nachthemd zu kurz, so Hilfe, so heiß, ein schwarzes Loch in meinem Bett, aber Madame, aber Monsieur, aber Madame!

die mittelste
In der Hauptstadt baue ich Türme aus Glas und entführe wochendends die Weintrauben von Feldern. An der Schwelle zum Erwachsen-Werden wird jeder Mensch mit Rauchen aufhören. Sollen. Ich sollte. Das Statische der Architektur als Entwicklungsbasis. Der Turm schwankt nicht, keine gute Architektur gibt dem Wosen des Windes, die streckt sich immer gegen die Natur. Fünf Stöcke und mir fällt die Flasche den Asphalt. Ich sollte meine Familie mit Sicherheit weiter weg von diesem Boden. Weg! Weg! Sich entfernen von der Erde wo die Wurzeln von dem Haus. Die Aufarbeitung der Vergangenheit dient der Entwicklung einer Zukunft. Mein Opa war ein Illegaler. Ich beschütze meine Familie vor dem Verschweigen, vor dem Nationalsozialismus und schon wieder fallen Whiskey Flaschen, 15 Flaschen, 15 Stöcke, in die Tiefe. In der Fleischerei ein antifaschistisches Denkmal entworfen, schau Vati schau, ich habe für die Opa-Fleischerei ein antifaschistisches Denkmal entworfen, wenn die Zeit vergeht, wir distanzieren uns voneinander, sich von Deutschland distanzieren, sich von der ehemaligen Familie distanzieren, sich als Vater von einem SS distanzieren, Vati!, schau Vati schau, ich halte Abstand zu dir.

Mutter und die älteste und die mittelste und Kindeskinder und die kleinste und König setzen sich rund um einen recht üppigen Mittagstisch herum.

Mutter
Ganz verhungerte Kindeskinder. Da! Ganz ausgeverhungerte Kindeskinder.

die älteste
Ich bin auf Diät.
Mutter
Eure Oma hat eurer Mama das Kochen schlecht angetragen.

die mittelste
Den Teller! Gib deinen Teller her!

Kindeskinder
Gell Mama, am liebsten essen wir

die kleinste
Ein sogenannter bäuerlicher Haushalt kauft wegen Sparsamkeit das Obst, Gemüse, Fleisch, Eier und Müsli und Brot beim Discounter.

die mittelste
Wir stehen alle vom Tisch auf, wenn alle vom Tisch aufstehen.

Kindeskinder
Die älteste Tante klaut die Haut vom Hühnchen.

Mutter
Früher habe ich neue Rezepte ausprobiert. Früher!

die älteste
Eure kleinste Tante ist so müde. Gell! Das ist die kleinste Tante nicht gewohnt.

Mutter
Ich schaue halt immer zuerst für die anderen.

die mittelste
Irgendjemand irgendwo wird auch ein Geld verdienen müssen.

die kleinste
Ich persönlich würde nur sehr ungern mit fettigen Haaren sitzen.

Mutter
Iss das jetzt auf!

die älteste
Der Magen.

Kindeskinder
Die Augen.

die mittelste
War größer.

die kleinste
Wer?